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Dönekes

ist die plattdeutsche Bezeichnung für kleinere, zumeist heitere, fiktive Erzählungen
oder tatsächliche Anekdoten aus dem Alltag, die traditionell mündlich überliefert werden.

Wer weitere Dönekes aus seinem Berufsleben hier erzählen
möchte, die Webredaktion freut sich über  jeden Beitrag.


Döneken 19:

Weinbrand-Cola?!

ColaweinbrandLange wollte ich das Thema "Allohol auf dem Pütt" unter den Teppich gießen, bis mir die Geschichte um einem lieben Kollegen einfiel:
zur Vereinfachung nenne ich ihn mal Franz.
Nein Franz, wenn Du das hier liest, Du bist nicht gemeint!
Also – Franz arbeitete in der „Neuen Verwaltung“
(Einweihung 1955, nördl. der Schachtstr., nach der Stilllegung abgerissen, heute Vivawest-Geschäftsstelle und Einfamilienhäuser an der Fäustelstr.)
im Erdgeschoss und hatte am letzten Tag vor seinem Urlaub richtig Durst auf Weinbrand-Cola.
Cola war kein Problem und Weinbrand gab es bei Peter Schmies am Wetterweg.
Etwa 2 – 3 Stunden vor Feierabend wurde der Weinbrand in der Schreibtischschublade verstaut, Colaflasche und volles Glas mit Cola standen auf dem Schreibtisch, denn das war im Gegensatz zum Weinbrand nicht verboten.
Jetzt lief der Trinkrythmus folgendermaßen ab:
von der Cola einen Schluck abtrinken, unter dem Tisch wieder mit Weinbrand auffüllen, nach einer kurzen Weile wieder einen Schluck aus dem Cola-Glas und abermals mit Weinbrand auffüllen usw. usw.
Die Weinbrandflasche leerte sich während die Colaflasche völlig ignoriert wurde.
Kurz vor Feierabend war der Gebückte*) leer, in der Colaflasche fehlte nur die erste Glasfüllung, im Glas fast nur noch Weinbrand und Franz auch fast voll.
Um Franz einen schönen Urlaub zu wünschen kam sein Chef rein, Franz nahm geistesgewärtig das Glas, trank es auf ex aus, stellte das leere Glas ab und sagt:“ Bahh, ich kann die viele Cola nicht mehr sehen!“

*) „Gebückter“ ist ein alkoholisches Getränk das auf dem Bergwerk verboten war. Es wurde also illegal unter dem Tisch aufbewahrt, so dass man sich bücken musste um daran zu kommen.


Döneken 18:

Zwei Nagetiere

Ratte_und_MausSiegfried Ratte wurde, ich weiß nicht mehr von welchem Bergwerk, nach Westfalen verlegt und wurde Leiter der Sicherheitsdienstes. Selbstverständlich stellte er sich alsbald im Ausschuss für Arbeitssicherheit des Betriebsrates vor. In diesem wichtigen Ausschuss war auch Joachim Maus Mitglied. Bei der Vorstellungsrunde waren schon die ersten Irritationen zu beseitigen:
„Ratte“ – „angenehm, Maus“.
Regelmäßige Befahrungen des Grubenbetriebes und der Übertageanlagen gehörten natürlich zu den Aufgaben sowohl der Sicherheitsabteilung, als auch des Ausschuss für Arbeitssicherheit.
Häufig wurden auch diese Befahrungen gemeinsam durchgeführt, so war es dann nicht verwunderlich, dass die Herren Maus und Ratte zusammen in der Grube auftauchten.
Spitze Bemerkungen der Kumpel mussten Sie dann schon aushalten:
„Heini, guck mal, die Sicherheitsnagetiere kommen.“ oder
„Willi, pass auf Deine Stullen auf, die Nager stehen darauf.“


Döneken 17:

Jute Nacht Jinter

Der unsägliche 2. Weltkrieg spülte viele Menschen die ihre Heimat verlassen mussten in das Ruhrgebiet. Der Bergbau und die Stahlindustrie boomte, denn es galt die zerstörten Städte und Industrieanlagen wieder aufzubauen und den hungernden und frierenden Menschen im Nachkriegsdeutschland wenigsten den Hintern etwas zu wärmen.
Einer dieser Vertriebene war Günter Leber, der aus Ostpreußen stammte, seine Muttersprache bewahrte, das „r“ noch immer so schön rollte, jedes „g“ zu einem „j“ manchmal auch zu einem „ch“ machte und ein „ü“ immer zu „i“ werden ließ.
Eine kleine Kostprobe ist hier zu hören (nach den Limericks ab 1:44)

Fördermaschinist - Foto: Hans-Peter ScholzAls 14jähriger fing Günter Leber (oder auch Jinter Leber) im Steinkohlenbergbau an und wurde dort später Fördermaschinist, er bediente also die Maschine, mit der Menschen, Material und Kohle durch den Schacht transportiert werden (Bild links).
Kurz vor seinem wohlverdienten Ruhestand pflegte er immer noch seinen ostpreußischen Dialekt und verkündete: „Mannchen, mannchen, friher war ich ein toller Hecht, bin ich jejangen zu die Weiber aber heute bin ich froh, wenn meine Frau saacht – Jute Nacht Jinter“


Döneken 16:

Schneiderbein zwischen den Zähnen

Zu seinem 50. Geburtstag lud Ennatz viele seiner Kollegen in seinen Garten ein. Für gutes Wetter, gegrilltes Fleischiges und kalte Getränke hatte er natürlich bestens gesorgt. Auch für die türkischen Kollegen war schweinefleischfrei angerichtet.
So traf man sich dann schon am Nachmittag um zu gratulieren und bei lockeren Gesprächen an runden Stehtischen schon mal das eine oder andere Getränk zu genießen.
20 – 25 Kolleginnen und Kollegen von Ennatz hatten natürlich bei ihren Gesprächen am runden Tisch fast nur ein Thema: „Pütt!“

schneider_insekt_naturIrgendwann kam dann auch der erlösen Ruf vom Grill: „Würstchen sind fertig!“
Als alle so schön versorgt und mit dem Verzehr der Würste beschäftigt waren, kreiste ein Schneider (langbeiniges Insekt, s. Bild rechts) über den Köpfen aber auch direkt über den Würstchen.
Wolfgang Förster ging das Tierchen mächtig auf den Senkel, er schnappte sich mit einer blitzschnellen Handbewegung das Vieh, sagte „den kann man auch essen“ und steckte sich den Schneider in den Mund. „Mmh, lecker, wenn nur nicht diese blöden Beine immer zwischen den Zähnen hängen würden“ und kratzte sich mit dem Nagel des kleinen Fingers zwischen den Zähnen herum.

Kadir schob seine Rindswurst an die Seite, sein Appetit war verflogen, Hans verschluckte sich fast, Ingrid überfiel die Spontanübelkeit, Udo kriegte dicke Backen (oder hatte er die schon vorher?), nur Jürgen hatte einen Lachanfall.
Als Einziger hat er gesehen, dass Wolfgang den Schneider mit der rechten Hand gefangen hatte, ihn aber unter dem Tisch fallen ließ und nur so tat, als ob er sich das Insekt in den Mund steckte.


Döneken 15:

Gott sei Dank kein Cabrio

Da fällt mir noch so eine Geschichte mit den Pförtnern ein:

Lichter_HWerner Prosper war Pförtner mit Leib und Seele, trug stets einen Bergkittel als Arbeitskleidung und hatte einen gezwirbelten Schnauzbart wie Horst Lichter, sah also so aus wie Horst Lichter im Bergkittel (s. Bild).
Nun kam der erste Arbeitstag für einen höheren leitenden Angestellten, der zum Bergwerk verlegt wurde und einen Parkplatz auf dem Zechengelände beanspruchte. Werner Prosper hatte schon den Namen und die Parkplatzkarte vor sich liegen, als besagter Herr in seine „Bude“ kam.
Höflich wurde sich gegenseitig vorgestellt, die Parkplatzkarte wechselte den Besitzer und der frischgebackene Westfale ging zurück zu seinem Wagen, der natürlich noch vor der Schranke stand.
Werner öffnete die Schranke, das Telefon schellte, ein Besucher hatte eine Frage – er war also abgelenkt - und dachte der neue Mitarbeiter sei schon durchgefahren.
Schranke wieder zu – eine sehr metallisches Geräusch – Schranke auf dem Autodach!!!!
Wütend, mit hochrotem Kopf tobte der neue leitende Angestellte doch Werner Prosper ohne jegliche Regung: „Haben Sie ein Glück, dass Sie nicht mit einem Cabrio mit geöffneten Verdeck gekommen sind.“

Die Beiden wurden keine Freunde.


Döneken 14:

Das Bundesverdienstkreuz

BundesverdienstkreuzEin Ausbildungsleiter bei der RAG, Ditz Sachse bekam 1978 für seine Verdienste um die Aus- und Fortbildung von Jugendlichen das Bundes-verdienstkreuz verliehen. Sein Engagement galt aber auch, die Jugendlichen in einem sozialen Umfeld unter Berücksichtigung ihrer individuellen Stärken und Schwächen eine zukunftsorientierte Lebensplanung auf der Grundlage einer soliden Ausbildung zu ermöglichen.
Der damalige Ministerpräsident Horst Kühn heftet ihm das Verdienstkreuz an sein edles Jackett und fand höchste, lobende Worte bei diesem Festakt.

Am Montag darauf rief Ditz Sachse seine engsten Mitarbeiter ins Sitzungszimmer zu einer Besprechung zusammen.
Mit stolzgeschwellter Brust berichtete er von dem Verleihungsakt und fügte folgende Worte hinzu: „Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das ist nicht allein mein Verdienst, sondern beruht auch auf Ihrem Fleiß und ihrem Können. Eigentlich habe ich dieses Verdienstkreuz nur stellvertretend für uns alle hier bekommen. Jedem von Ihnen hätte diese Auszeichnung zugestanden, fühlen Sie sich also auch mit dem Verdienstorden geehrt“
Einige Tage später:
Scherzbold Bernhard (Berni genannt), auch einer der Teilnehmer an o. a. Besprechung, bereitete die Feier zu seinem 40. Geburtstag vor, klopft an die Tür des Ausbildungsleiters um nach dem freundlichen „nur herein“ sein Anliegen los zu werden: „Sie wissen doch Chef, dass ich am nächsten Donnerstag meinen 40. Geburtstag feiern möchte. Dazu habe ich natürlich eine stattliche Anzahl von Gästen eingeladen und da wäre es bestimmt eine gute Gelegenheit, wenn ich bei dieser Feier unser Bundesverdienstkreuz tragen würde. Wenn Sie es allerdings heute nicht hier haben ist das auch nicht schlimm, Sie können es mir dann ja auch Morgen noch mitbringen.“
Von wegen freundlich und sozial: „Raus!!!!“


Döneken 13:

Beton aus der Berliner Mauer

Betonsanierung1989 musste die Kohlenwäsche aufwendig saniert werden, da zu befürchten war, dass durch großflächige Betonabplatzungen (ähnlich wie im linken Bild) die Tragfähigkeit der Konstruktion nicht mehr gewährleistet werden konnte.
Um die Leistungsfähigkeit ihre Produkte zu beweisen, mussten alle an der Ausschreibung beteiligten Firmen eine Probe ihres Könnens abliefern. Nach der Aushärtung des „Aufbetons“ pickte der Chef der Bauabteilung mit dem Abbauhammer jeweils ein Stück aus dem sanierten Beton. Bildete alter und neuer Beton eine untrennbare Einheit wurde diese Firma in die engere Auswahl genommen. Den BetonschuttBetonbrocken (siehe rechtes Bild) mit dem besten Ergebnis nahm er mit in sein Büro und benutzte ihn als Briefbeschwerer.

Es kam die Adventszeit, die Wäsche war schon längst saniert, die Berliner Mauer vor wenigen Wochen gefallen, der Leiter des Tagesbetriebes bekam Frau Bringer als neue Sekretärin, und der Betonbrocken war noch immer Briefbeschwerer.

Auf ihrer Vorstellungsrunde kam Frau Bringer natürlich auch in das Büro des Bauchefs um sich vorzustellen. Die Höflichkeitszeremonie war komplett abgewickelt als der Blick aus weiblichem Auge auf den Beton traf: „Was ist das denn Interessantes?“ Den Baumenschen ritt wohl ein kleiner Teufel mit dem Blitzgedanken: „Sie wissen doch Frau Bringer, dass wir auch zu Weihnachten keine Geschenke annehmen dürfen, die wertvoller sind als eine Banane. Eine Baufirma hat mir daher dieses Originalstück aus der Berliner Mauer geschenkt, das dort am 09. November heraus gestemmt worden ist. Das hat keinen materiellen-, dafür aber einen hohen ideellen Wert.“

„Wenn Sie wüssten wie sehr ich solche Dinge schätze. Zu Hause, in meiner Messing-Glasvitrine hätte so ein geschichtsträchtige Stück einen Ehrenplatz.“
„Ja wenn Ihnen so viel daran liegt und Sie mir versprechen den Betonbrocken aus der Berliner Mauer in Ehren zu halten – hier – geschenkt.“

Völlig aus dem Häuschen eilte Frau Bringer in ihr Sekretariat, wickelte den Brocken in Papiertaschentücher und verstaute ihn in ihrer Butterbrotdose um ihn unbeschadet mitnehmen zu können.

Seit diesem Tag liegt andächtig bewundert ein Stück Beton aus der Kohlenwäsche als Relikt der deutschen Geschichte in ihrer Messing-Glasvitrine.


Döneken 12:

Das Mutterklötzchen

Mutterklotzwar ein etwa 30 cm langes Stück (astfrei), das aus Holzstempeln herausgeschnitten wurde. Es wurde mit Schießdraht umwickelt und mit Beil und Fäustel quer und längs gespaltet, dass man zu Hause "bei Mutter" nach dem Entfernen der Drähte fix und fertiges Anmachholz für den Ofen hatte. Es wurde natürlich nur aus den Stempeln heraus gesägt, die im Streb oder in der Strecke als Vorrat lagerten und nicht unmittelbar für den Ausbau gebraucht wurden.
Die Kumpel schmuggelten jeden Tag ein „Mutterklötzchen“ in ein Handtuch oder in schmutzige Arbeitskleidung gewickelt beim Pförtner vorbei.

Diese „Tradition“ pflegte auch Kumpel Tönn, der 40 Jahre unter Tage gearbeitet hatte und nun mit vielen Gästen seinen 70. Geburtstag feierte. Auch sein ehem. Obersteiger kam, um ihm zu gratulieren und fragte Tönn nach einer geraumen Weile: „Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich auch früher jeden Tag ein „Mutterklötzchen“ mit nach Hause genommen?“. Tönns Antwort: „Ja sicher, wie alle anderen auch!“ Darauf der der Obersteiger: „Wissen Sie denn auch, dass 68 Klötzchen 1 m³ Holz sind und das Sie jedes Jahr rund 3 m³ Holz mit nach Hause genommen haben, das sind dann in 40 Jahren 120 m³“.

Die nächsten 10 Jahre bis zu seinem 80. Geburtstag verbrachte Tönn mit einem fürchterlich schlechten Gewissen. Zu diesem Geburtstag besuchte ihn sein alter Betriebsführer der nach einer guten Tasse Kaffee und 3 Stück Kuchen fragt, ob Tönn denn während seiner Berufsjahre nicht doch das eine oder andere vom Pütt mit nach Hause genommen habe. Tönn antwortete mit hochrotem Kopf: „Ich habe 120 m³ Holz geklaut“.
„Mann warum haben Sie das denn gemacht, “ antwortete der Betriebsführer „wenn Sie jeden Tag ein „Mutterklötzchen“ mitgenommen hätten, wäre das nie aufgefallen.“


Döneken 11:

Geschichten rund um Magazinscheine

Was für ein Aufstand, wenn man Material aus dem Magazin haben wollte:

Materialnr. aus Liste suche, Preis ermitteln, Fahrsteiger unterschreiben lassen, Schein im Betriebsbüro abgeben, dort wurde er mit dem Datum abgestempelt, den Wert erfassen, mit allen Scheinen der Abteilung zum Wirtschaftsingenieur, der gab den Schein zur Entnahme aus dem Magazin frei oder auch nicht. Wenn nicht wurde auf die Rückseite die entsprechende Rückfrage geschrieben (beliebt war „WOFÜR?“) oder der Schein ungültig gemacht, wenn der Herr Wirtschaftsingenieur meint, dass das Material unnötig sei.

Hier also die erste Geschichte:Rangierdraht im Telefonschaltraum

Vor dem Umzug der Verwaltung nach Schacht 7 hatten die Teleföner eine Menge Schaltungen umzuändern (= rangieren), wozu sie sogenannten Rangierdraht benötigten. Immer ein Kilometer war auf einer Rolle und eine Rolle war die kleinste Entnahmemenge.
Auf dem Magazinschein stand: 1.000 m Rangierdraht.
Der Wirt.-Ing. auf die Rückseite: „WOFÜR?“
Teleföner dahinter: „ZUM RANGIEREN“
Schein wieder zum Wirt.-Ing. „WOZU SOVIEL DRAHT?“
Teleföner dahinter: „WEIL ICH SO VIEL RANGIEREN MUSS“
Schein wieder zum Wirt.-Ing. Der war es leid und kürzte die Menge auf 500 m. Teleföner ins Magazin zu Jupp (siehe Döneken 1)
Der auf den Schein: „GIBT NUR 1.000 m“.
Schein zum 4. x zum Wirt.-Ing.
Der auf die Rückseite: „WENNS 1.000 m GIBT; GIBT’S AUCH 500 m“.
Schein wieder ins Magazin.
Jupp auf die Rückseite: „MATERIALNUMMER = 1 ST = 1.000 m.
Schein wieder zurück zum Wirt.-Ing. der es jetzt seinen Willen durchsetzte und den Schein quer durchstrich. Es gab nun gar keinen Rangierdraht mehr!
Am nächsten Vormittag war dann ganz plötzlich sein Telefon tot, was sollten die Teleföner machen, sie brauchten Rangierdraht und klemmten den dann im Verteilerraum von seinem Anschluss ab. 2 Stunden später lag die Rolle mit 1.000 m Draht zur Abholung im Magazin bereit.

Oder diese Geschichte:

Der Schießbetrieb brauchte Ladestöcke*) und schrieb 100 St. auf.
Der Wirt-Ing. auf die Rückseite wieder: „WOFÜR?“ (er meinte wohl warum so viele)
Schießbetrieb als Antwort: „WIR WOLLEN STABHOCHSPRUNG ÜBEN!“
*) zum Einschieben des Sprengstoffs in die Bohrlöcher. Die Ladestöcke waren 3,5 m lang bei einem Durchmesser von 25 mm

Oder diese hier:

Das anfallende Grubengas wurde mit Flüssigkeitsringgaspumpen abgesaugt, die von einem Elektromotor über Flachriemen angetrieben wurden. Diese Riemen neigten zum Heulen und Quietschen wie man das von dem Keilriemen der Lichtmaschine am Auto kennt.
Um dieses widerliche Geräusch zu vermeiden wurden die Riemen mit einem besonderen Spray eingesprüht.
Auf dem Magazinschein stand: „3 Dosen Riemenspray“.
Der Wirt-Ing. auf die Rückseite abermals: „WOFÜR?“
Die Antwort kann man sich denken allerdings hier nicht veröffentlichen.


Döneken 10:

Schlitzaugen sehen alle gleich aus

Etwa jeder 4 Koreaner trägt den Namen „Kim“. Einer von diesen 10 Million arbeitete auch auf dem Bergwerk und hatte zum Zeitpunkt dieser Geschichte leichte Arbeit über Tage. Kim war im Bauhof eingeteilt, um dort die Handwerker zu unterstützen. Auch die Ausbildungsabteilung schickte immer einen Azubi für ein paar Tage in den Bauhof, damit die Jungs sich dort einige bautechnischen Fähigkeiten aneignen konnten.

Schnucki, der Mauer sollte in der Betriebsführerkaue im Erdgeschoss defekte Fliesen ersetzten und nahm dazu Werkzeug in- und den Azubi an die Hand. Schnell waren die alten Fliesen heraus gestemmt und hatten einen ansehnlicher Bauschutthaufen erzeugt. Schnucki zum Azubi: „Ho, ho, ma d, d, den Ja, Ja, Japaner au, au, aussem Bau, Bau, Bauhof.“ Schnucki stotterte fast gar nicht, dieser Satz ging ihm nahezu flüssig über die Lippen.
Der Azubi also am Magazin entlang und um die Ecke an der Grubenwehr vorbei ab in den Bauhof: „Hey Kim, Du sollst sofort zum Schnucki in die Betriebsführerkaue kommen.“

Augen1 Augen2 Augen3
japanisches Auge koreanisches Auge chinesisches Auge

Azubi und Kim also zurück zu Schnucki: „Ma, Ma, Mann, bi, bi bist Du be, be, bescheuert, Du so, so, solltest d, d, den Ja, Ja, Japaner ho, ho, holen u, u, und ni, ni, nicht den Ko, Ko, Koreaner!“. Azubi: „Japaner, Koreaner, Chinesen ist doch egal, Schlitzaugen sehen sowieso alle gleich aus.“ Wenn Schnucki wütend wurde, verstärkte sich das Stottern, daher hier die Antwort ohne Pausen (die Lautstärke wird der Fantasie überlassen): „Du Blödmann,  ein Japaner ist ein Schubkarre mit einem Gelenk um die Mulde umzukippen, die solltest Du vom Bauhof holen, damit wir den Bauschutt abfahren können."
Kim verstand gar nichts, Schnucki war immer noch wütend und der Azubi freute sich tierisch wie schön Schnucki sich aufregen konnte.


Döneken 9:

Das FremdwörtergenieKaue Schacht 1/2 - Blick vom Steuerstand - Foto: Besitz J. Hesse

In der Kaue an Schacht ½ war der Steuerstand zur Regulierung der Wasser- und Raumtemperaturen, der Zu- und Abluftmengen und der Heizung oberhalb der eigentlichen Kaue. Chef der Kauenwärter und Hüter der Kauentechnik war Dieter Laberer, er immerhin dafür sorgen musste, dass es den 2.000 Kumpeln, die täglich sich dort unter ihm umzogen und duschten nicht zu kalt aber auch nicht zu warm wurde.
Dieter hatte alles im Griff aber ganz besonders alle in Deutschland gebräuchlichen Fremdwörter – leider (jedoch zur Freude der Kollegen) immer an der falschen Stelle.
Wegen der Vielzahl dieser Verdrehungen hier nur eine kleine Auswahl als wörtliche Zitate:

  • Ich stehe auf Norderney an der Rezession im Hotel.
  • Ich war mit meiner Frau im Harz, nur diese Terpentinen hochfahren war blöd.
  • Ich bin erkältet, der Yusuf hat mich wohl identifiziert.
  • Kannst Du mir helfen, du bist darin viel servierter als ich.
  • Meine Gartenlaube habe ich am Wochenende elektrisiert.
  • So war das nicht, das musst Du resignieren.

Manchmal hatte man schon Schwierigkeiten den richtigen Sinn zu erkennen.
Das dollste Ding riss er aber ganz ohne Fremdwörter und ohne rot zu werden, als er in seiner Urlaubspension erzählte, dass er eine höhergestellte Position auf der Zeche hat und ca. 2.000 Leute unter ihm sind (siehe erster Absatz).
Wenn der Pensionswirt nicht Jahre später einen zufällig dort weilenden Westfalenkumpel nach Direktor Laberer gefragt hätte, wäre das vermutlich nie herausgekommen.


Döneken 8:

Die Urinprobe

Werksarzt am MeisterwegEinmal im Jahr mussten alle Untertagemitarbeiter aus Vorsorgegründen sich beim Werksarzt im Meisterweg vorstellen. Neben Größe und Gewicht messen, Fitness auf dem Ergometer nachweisen, Lungen, Augen und Gehör überprüfen, einer Blutentnahme wurde auch eine Urinprobe untersucht.
Der Ablauf war immer gleich:
Direkt nach der Anmeldung zur Urinabgabe auf die Toilette, wo hinter einer kleinen Tür der Probebecher stand, den es zu Befüllen galt. Der Becher war mit der Stammnummer versehen, um Verwechselungen zu vermeiden. Die Laborantinnen konnten von der Laborseite durch eine weitere kleine Tür den Becher von der Toilette nehmen und an dem Urin eine Vielzahl von Untersuchungen durchführen. Das geschah vor den Augen des Kollegen, denn der befand sich nun im Labor, um sich Blut abnehmen zu lassen.

Das war die Vorgeschichte aber jetzt zum Döneken:

An diesem Morgen hatten die beiden Kolleginnen vom medizinischen Dienst, Anja und Sonja (oder so ähnlich) zum Frühstück wohl einen Clown gegessen, Anja war leidenschaftliche Teetrinken und kam auf die grandiose Idee, den Urin eines Kollegen gegen Tee auszutauschen, während er von der Toilette um die Ecke ins Labor ging. Einen 2. Becher mit Tee füllen, etwa die gleiche Menge wie Urin, den Urinbecher entnehmen und dann den Tee hinter die Klappe stellen dauerte nicht länger als Hose hochziehen, Hände waschen und ins Labor zur Blutentnahme gehen.

UrinbecherJupp Achterbowski setzte sich brav auf den Stuhl zur Blutabnahme durch Kollegin Sonja und schaute sehr interessiert Anja zu, wie sie den „Urinbecher“ hinter der Tür hervorholte und noch scheinheilig fragte, ob wohl schlimme Analyseergebnisse zu befürchten seien. Zum Entsetzen von Jupp nahm sie jetzt eine kleine Schluck aus dem Probebecher, spülte das Zeug über die Zunge, schlürfte leicht dabei und verkündete, das Blase und Harnwege in Ordnung sind. Jupps Augen fielen fast aus ihren Höhlen, denn sie nahm einen zweiten, größeren Schluck, legte den Kopf in den Nacken und gurgelte und nach dem Herunterschlucken:
„Boh, Nierenbeckenentzündung!“
Sonja hatte Mühe das Blut aus der Vene zu bekommen, es war wohl erstarrt.

Kopfschüttelnd und völlig außer sich unterzog sich Jupp den weiteren Untersuchungen, während im Labor das große Gelächter nur sehr mühsam unterdrückt werden konnte.

Wenn Jupp nicht vom Werksarzt Dr. Däna aufgeklärt worden wäre, hätte er wahrscheinlich Anja für den Medizinnobelpreis vorgeschlagen.


Döneken 7:

Die Badelatschen

Auf einem der Höhepunkte der Demonstrationen zum Erhalt des Steinkohlenbergbaus wurde im Frühjahr 1991 nach Aktivitäten gesucht, um die Bevölkerung auf die entstehenden  Probleme bei der Schließung der Zechen aufmerksam zu machen.
Während einer Sitzung des Betriebsrates der Zeche Westfalen sollten alle Ideen, auch völlig abwegige, auf den Tisch. Heute würde man das wohl Brainstorming nennen. Und was hatten die Kolleginnen und Kollegen für Ideen: Bungeespringen vom Förderturm, jedem Ahlener ein Stück Kohle und eine Scheibe Brot schenken, alle Kumpel bitten, eine Woche nichts einzukaufen usw.

Eine Ideen soll aber hier erzählt werden:
Einer der Jugendvertreter (es war wohl Marc) schlug vor, für jede stillgelegte Zeche ein Holzkreuz mit Namensschild anzufertigen und dann diese Kreuze als Friedhof an geeigneter Stelle aufzubauen. Dieser Gedanke wurde in wenigen Tagen verwirklicht.

Zechenfriedhof auf dem Morsbachplatz vor Schacht 1/2Also, Holzkreuze in der Schreinerei anfertigen lassen, Schilder mit Namen und Schließungsjahr der Zechen ausdrucken und an den Kreuzen befestigen, mit einem Fäustel die Kreuze in den Rasen am Morsbachplatz einschlagen (siehe linkes Bild) und der Friedhof war fertig. Am nächsten Morgen war das Erstaunen groß, denn an dem Kreuz für die Zeche Hansa hing ein Paar Badelatschen. Keiner wusste zunächst warum, bis ein Kumpel vermutete, dass dies ein Hinweis auf die Antrittsrede des neuen Personaldirektors sei. Der hatte nämlich auf seiner ersten Betriebsversammlung 1984 erklärt, dass unbedingt gespart werden müsse und er sei leuchtendes Beispiel, denn er benutze schließlich noch die Badelatschen, die er von seinem alten Pütt Hansa mitgebracht habe. Das Holzkreuz für Hansa und die Badelatschen bildeten fortan ein untrennbare Einheit.

Bis November blieb der Friedhof vor der Zeche Westfalen stehen und wurde dann vor dem Tor zum Wirtschaftsministerium aufgebaut, wo an diesem Tag die entscheidenden Gespräche zwischen Minister, Unternehmen und IGBE stattfanden.

Ganz nebenbei - Ministeriumspförtner auf die Frage was er von Möllemann (damals Wirtschaftsminister) halte: „Die Tröge bleiben, die Schweine wechseln.“

Natürlich hingen an diesem denkwürdigen 11. November 1991 wieder die Badelatschen am Hansakreuz und kamen so unverhofft zu landesweitem Ruhm. Von den Gesprächen berichteten natürliche alle Medien und so wurde auch der Friedhof fotografiert und gefilmt was die Foto aus der Dokumentatiom zur Ausstellung Feuer und FlammeKameras hergaben. Es war das einzige Mal, dass es Badelatschen vom Pütt auf die Titelseite der „BILD“ geschafft haben.

Damit aber noch nicht genug, denn 1994/95 fand im Gasometer Oberhausen die Ausstellung „Feuer und Flamme“ statt. Gezeigt werden sollten dort unter anderem, mit welchen Protestmittel die Bergleute um ihre Existenz kämpfen. Nach dem Willen der Ausstellungsleitung mussten es auch unbedingt die Holzkreuze von Westfalen sein. Per Ausleihvertrag in dreifacher Ausfertigung kam so der Friedhof von Ahlen nach Oberhausen in die Ausstellung (s. Bild rechts).

460.000 Besucher kamen und fast alle fragten sich:

WAS MACHEN DIE BADELATSCHEN AN DEM KREUZ VON HANSA?


Döneken 6:

Ein Foto zum Geburtstag

Der Leiter der Übertagebetriebes ging stark auf seinen 50. Geburtstag zu.
Zu diesem Anlass wollten die Kameraden der Betriebsfeuerwehr ihm ein Geschenk überreichen – nur was????
Nach der Mittwochsübung setzte man sich also zusammen und überlegte:
das Geschenk sollte außergewöhnlich, einzigartig, angemessen aber auch nicht zu teuer sein.
Das entscheidende Stichwort fiel nach gefühlten 76-84 Minuten: Was hat oder kann die Feuerwehr, was andere nicht haben oder nicht können?

EINE DREHLEITER

Eine Idee jagte jetzt die nächste und am Ende einigte man sich, mit der Drehleiter sein Haus mit Garten aus 28m Höhe zu fotografieren und ihm das Bild zu schenken.

So ähnlich sah die Drehleiter der Betriebsfeuerwehr ausEine Fotovorbereitungskommission wurde gegründet, die am Wohnort des Betriebsführers das Gelände erkunden sollte um den Standort der Drehleiter festzulegen. Jetzt musste nur noch ein Tag abgewartet werden an dem die Sonne schien und der Betriebsführer nicht zu Hause war. Lange brauchte man nicht warten und Drehleiter, Drehleitermaschinist, Brandmeister und Fotograf fuhren zum Grundstück des Übertagechefs.

Leider war die Bebauung dort sehr eng, zwei parallele Straßen deren Gärten am Ende zusammenstießen, nur durch einen schmalen Wirtschaftsweg getrennt. Die Gärten der Häuser waren nicht einsehbar. Der Wirtschaftsweg zu schmal für die Drehleiter, daher wurde das Fahrzeug in der parallelen Straße in Stellung gebracht, um über die Häuser hinweg die Gärten der anderen Straße zu fotografieren.

Nachdem die Leiter auf 28m Höhe mit dem Fotografen und einem Brandmeister ausgefahren war, stellte sich die Frage, welches ist das richtige Grundstück, denn von hinten hatten die Häuser natürlich keine Hausnummer und sahen irgendwie alle gleich aus, was den folgenden Ablauf erklärt:

Der Geburtstag kam und der Betriebsführer folgte der Bitte des Wehrleiters in das Gerätehaus zu kommen. Alle Wehrmänner in schicker Ausgehuniform waren angetreten und begrüßten den Betriebsführer bei seinem Eintritt mit einem dreifach, kräftigen „Gut Schlauch“, der Wehrleiter hielt eine zünftige Geburtstagsansprache und überreicht das, auf eine halben Quadratmeter vergrößerte und in wunderschönem Rahmen eingefasste Foto.
Intensiv betrachte der Betriebsführer das Foto und dann: „Herzlichen Dank meine Herren, mein Nachbar wird sich über das Bild freuen.“

Betretens Schweigen im Geräteraum, dann das erlösende Lachen des Chefs, denn nun hatte er ein tolles Geschenk zum nächsten Geburtstag seines Nachbarn.

Natürlich bekam der Leiter des Übertagebetriebes das Foto mit seinem Grundstück später nachgereicht und aus berufenem Munde weiß man, dass es noch heute in seinem Haus hängt.


Döneken 5:

Die fehlende Bockwurst

Im Büro der Schachtsignalanlagenelektriker (unglaubliche 28 Buchstaben) fand jeden Freitag um 13:00 Uhr mit allen in dem Revier Beschäftigten eine Dienstbesprechung statt, um die vergangene Woche zu besprechen und die Arbeiten für das Wochenende und die kommende Woche zu planen. Genau 10 Mitarbeiter, vom Reviersteiger bis zum Auszubildenden trafen sich also im Büro der Schachtsignaler (nicht ganz so lang).Bockwurst mit Brötchen aus der Kantine

An diesem Freitag hatte der Steiger Dieter Schnure (genannt Schnulli) Geburtstag und zwar den 42. Das war sicher der beste Grund, den Auszubildenden in die Kantine zu schicken, um 10 Bockwürstchen mit Brötchen zu holen. Mit 15,00 DM ausgestattet trabt er in Richtung Kantine los.
Man muss wissen, dass die Elektriker ihre Werkstätten und Büros hinter der Fördermaschine 4 hatten und daher der Weg zur Kantine fast die ganze Zechenstraße entlang führte.
Es dauerte aus dem genannten Grund eine Weile, bis der Azubi mit den Würstchen zurückkam. Er verteilte sie, setzte sich selbst auch in eine Ecke und biss herzhaft in seine Bockwurst.
Bis auf Dieter Schnure, der immerhin die Wasserpistolen (oft wurden die Würstchen über mehrere Stunden im Wasser warmgehalten, wenn man dann hineinbiss, schoss ein Wasserstrahl aus der der Pelle, wie aus einer Wasserpistole) bezahlt hatte, waren alle versorgt. Daher die berechtigte Frage von Schnulli an den Azubi: „Hey, wo ist denn mein Würstchen?“

„Tut mir leid Herr Schnure, ihr Würstchen ist mir unterwegs heruntergefallen und da habe ich es, weil es voller Dreck war, in einen Mülleimer geworfen.“


Dönekes 4:

Helmut ruft in der Garage an

Schacht 6Die Bauhöhe 166 AB lag in der Nähe von Schacht 6. Die Belegschaft zog sich am alten Schacht (gemeint ist Schacht ½) um und fuhr mit dem „Negerbus“ (auch Schwarzbus) nach Schacht 6 und zum Feierabend wieder zurück. Für die Wartungs-schicht, die immer nachts arbeitete, lohnte kein großer Bus. Diese Kollegen wurden mit dem Bulli von der Garage gefahren.
Es muss so 1984 gewesen sein. Die Wartungsmannschaft, einschließlich Steiger Helmut Anderski, fuhren an einem sommerlichen Freitagabend an Schacht 6 an. Weil Helmut mit seiner Familie am Samstag in Urlaub fahren wollte, verließ er, nach dem alle Arbeiten eingestielt waren, gegen 3:00 Uhr das Revier und war etwa 4:00 Uhr wieder über Tage. Jetzt musste Helmut nur noch zum alten Schacht und der Urlaub konnte beginnen.

Schnell die Garage (Tel.:232) anrufen und den Bulli bestellen.

Das Telefon schellt und schellt und schellt, dann endlich: „Briede.“ (so hieß, glaube ich, der damalige Bergwerksdirektor).
Anderski: „Hier ist Anderski, ich geb Dir gleich Briede. Hab‘ Dich wohl geweckt Du faule Sau.“
„Wer ist da?“ „Mamma, mia, stellt Dich nicht so blöd an, hier ist Helmut Anderski, schwing Deinen Arsch in den Bulli und hol mich von Schacht 6 ab, ich will gleich in Urlaub und bin daher etwas früher dran.“ (eigentlich nennt man das fudeln)
„Und hier ist Briede, ich bin der Bergwerksdirektor, habe die Telefonnummer 323, Sie haben mich tatsächlich geweckt und sind Morgen nicht in Urlaub sondern um 10:00 Uhr in meinem Büro!“

Das „Gespräch“ am Morgen darauf entzieht sich jeglicher Überlieferung, jedenfalls immer zum Feierabend, wenn der Bulli für die Rückfahrt zum alten Schacht bestellt werden musste:“ Helmut, ruft doch noch mal die Garage an!“ „Ihr seid wohl doof!? Ich nie mehr.“

(in Klammern und kursiv = nähere Erläuterung)


Döneken 3:

Alphatiere

An einem herrlich, sonnigen Sonntagnachmittag im Jahre 1985, die Fertigstellung der Gebäude an Schacht 7 neigten sich dem Ende entgegen, überkam es dem damaligen Bergwerksdirektor sein neues Verwaltungsgebäude besichtigen zu wollen.
Die Bewachung der gesamten Baustelle war auf eine Wach- und Schutzfirma übertragen, die sehr viel Wert auf hochqualifiziertes Personal legte. An diesem Tag hatte Wachmann Kaminski Dienst. Kaminski gehörte zu der Gilde der Wachmänner mit sehr umfangreicher Zusatzausbildung und –ausstattung:

WachhundeführerSchacht 7 nach der Fertigstellung
Waffenträger
Beidhandschütze
Eckiger Haarschnitt
Unerschrockenheit in Vollendung
Klare Sprache mit wenigen Worten

Nun trafen diese beiden Alphatiere, hier Kaminski – da Bergwerksdirektor (auch genannt der „schwatte Hans" oder nur der "Schwatte“) an diesem besagten Sonntag-nachmittag aufeinander und es entwickelte sich folgender Dialog:

Direktor:          „Öffnen Sie die Schranke, ich will die Baustelle befahren!“
Kaminski:        „Nein!“
Direktor:          „Ich bin der Bergwerksdirektor!“
Kaminski:        „Ausweis“
Direktor:          „Brauch ich nicht, und habe ich auch nicht“
Kaminski:        „Ohne Ausweis bleibt die Schranke zu!“
Direktor:          „Mein Name ist Bri…, ich bin der Direktor und will jetzt auf die Baustelle!“
Kaminski:        „Ausweis vom EBV und Schranke geht hoch“
Direktor:          „Mann das ist doch nicht Ihr Ernst, ich bin hier der Hausherr!“
Kaminski:        „Selbst der Papst kommt ohne Ausweis nicht an mir vorbei“

Die nächten 16 Wortwechsel werden hier wegen des Jugendschutzgesetzes nicht zitiert, jedenfalls musste der „Schwatte“ erkennen, dass an Kaminski kein Vorbeikommen war und verließ ohne Baustellenbesichtigung dafür aber mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch den Kampfplatz.
Der nächste Montag, 8:30 Uhr, Anruf beim Chef des Wach- und Schutzdienstes durch die Direktionssekretärin Hildegard: „Sofort beim Bergwerksdirektor antanzen!!!“
Rudi, der Chef des Wachdienstes war natürlich durch Kaminski schon über den sonntäglichen Vorfall informiert und eilte voller Unbehagen in die Direktionsetage (alle, die den „Schwatten“ kennen, werden das Unbehagen nachvollziehen können).
Mittellange Wartezeit im Vorzimmer bei Hildegard, die Tür fliegt auf, der „Schwatte“ erscheint mit einer Flasche uraltem Weinbrand in der Hand: „Mein lieber Rudi, solche Wachmänner brauchen wir, die so auf unseren neuen Schacht 7 aufpassen! Hier, für den Wachmann aber erst nach Feierabend trinken!“


Döneken 2:

Die Meterlatte

Mitte 1976 wurden nach der Schließung der Zeche Sachsen in Hamm-Heesen auch einige, wenn auch nicht viele Bergleute nach Westfalen verlegt. Das es nicht mehr waren lag wohl daran, dass Sachsen zur RAG und Westfalen zum EBV gehörte.
Wie auch immer, einer kam als Schachthauer nach Westfalen und stellte sich in der Steigerstube an Schacht ½ zu seiner ersten Schicht bei seiner neuen Aufsicht vor.
Nun war dieser Steiger fachlich sicher einer der Größten, körperlich dagegen eher weniger Goliath als vielmehr David. Mit anderen Worten: „eine laufende Meterlatte“ *).Steiger mit MeterlatteAuf dem Weg zur Kaue wurde zwischen den Beiden schon einmal das eine oder andere Wort gewechselt, so fragte dann auch irgendwann der Schachthauer von Sachsen seinen neuen Steiger wie lange er denn schon auf Westfalen sei.
Stolz wie Oskar kam die Antwort: „Kollege, ich bin auf diesem Bergwerk groß geworden!“.
Ohne zu überlegen erwiderte der Schachthauer:
„Mann, Mann, da bist Du ja auch noch nicht lange auf Westfalen.“

*) Meterlatte:
Messstock aus Holz von 1m Länge mit einem Kopfteil aus Messing, der wie ein Hammer geformt ist. Auf dem Holzstiel sind in Abständen von je 10 cm Markierungen angebracht. Mit der Meterlatte ermittelte der Steiger die abgebaute Kohlenmenge.


Döneken 1:

Das ArschlederFördergerüst Erin Schacht 7

Als 1983 die Zeche Erin in Castrop-Rauxel geschlossen wurde, kamen viele Kollegen nach Ahlen zur Zeche Westfalen. Zu den langen Fahrzeiten kam auch noch die Umstellung auf neue Kollegen und andere geologische Verhältnisse.

Also – einer der ehemaligen Eriner, jetzt Neuwestfale, wollte im Magazin ein Arschleder bestellen. Der Ausgeber schickt ihn zum Magazinleiter Jupp, da kein Arschleder im ganzen Lager zu finden war.

Arschleder mit Zeichnung Westfalen 1/2 - Foto: E. ThunemeyerJupp, in seiner sehr höflichen und korrekten Art: „ Mein lieber Kollege, erstens brauchen wir auf Westfalen keine Arschleder und zweitens, wenn wir Arschleder gebrauchen müssten, würden die bei uns Fahrleder und nicht Arschleder heißen, denn wir sind hier im kultivierten Münsterland und nicht mitten im Kohlenpott.“

10 Sekunden Schweigen.

Dann der Kollege von Erin: „Jetzt weiß ich endlich warum das hier Fahrsteiger heißt!“



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